Elfenthal: Maite Itoiz im Interview Drucken E-Mail
Geschrieben von: Mira Sommer   
Montag, den 15. November 2010 um 20:55 Uhr

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Sey gegrueßet! Noch hat man Songs eures ersten Albums "Tales Of Secret Forest" im Ohr, doch mit dem neuen Album "An Ancient Story" kommen neue Lieder. Hier beschäftigt ihr euch zunächst mit der großen Mystikerin Hildegard von Bingen, Nonne, Intellektuelle, Hexe. Was bedeutet sie für euch?


Maite: Wir geben Hildegard von Bingen die Macht bzw. den Schlüssel, das Album zu eröffnen. Das ist nicht zufällig, denn wir betrachten sie und ihre Kompositionen als sehr inspirierend. Man kann schon in den ersten Klängen spüren, dass es kein normaler gregorianischer Gesang ist. Da gibt es etwas, das zu unserer Denkweise passt, etwas, das wir in anderen Texten nicht finden. Außerdem ist ihr Wissen als Heilerin so erstaunlich, dass selbst nach tausend Jahren ihre natürlichen Arzneimittel für die Stimme die besten sind. Wir benutzen sie, wenn wir auf Tour unsere Stimmen fit halten wollen.

Wenn ich ihre Lieder singe, versuche ich nicht nur in eine spezielle Stimmung zu kommen, es schwingt auch eine gewisse Dankbarkeit mit. Unglücklicherweise wurden diese wichtigen Heilerinnen in einer respektlosen Art zu lange Hexen genannt – einer der größten Fehler, die die Menschheit begangen hat.

Die Texte auf den Alben sind in verschiedenen Sprachen. Diese sind sicher bewusst ausgewählt. Welche Sprache eignet sich, um eine bestimmte Stimmung zu erzeugen?

Maite: Ich denke, umso älter die Sprache ist, desto stärker spürt man die Wurzeln. Zum Beispiel singen wir manche Lieder in unserem Repertoire in Euskera, einer der ältesten Sprachen in Europa.

In welcher Richtung bewegt ihr euch musikalisch?

Maite: Elfenthal berührt ein weites Feld von Genres. Ich komme aus der Klassik, John bringt den keltischen Spirit mit.

Elfenthal hat zwei Formationen: die Rock-Oper und das Alte-Musik-Ensemble. Zwischen beiden kann man neoklassischen Rock (wie Filmmusik gemischt mit Rock-Elementen) und langsam mehr und mehr symphonischen Metal finden. Das zeigen wir in der nächsten Show. Mittelalter und Renaissance sind zwei sehr spezielle Punkte in unserem Repertoire, außerdem Celtic-Rock und medievale Rock- und Fantasy-Musik.

Unsere Shows haben normalerweise eine Hintergrundgeschichte, wir mögen es einfach, dass die Musik zu der Geschichte passt, die erzählt wird.

Ihr unterscheidet euch von anderen Bands, die mittelalterliche Musik und Texte interpretieren worauf liegt euer Hauptaugenmerk?

Maite: Ich nehme an, dass der Unterschied zu anderen Ensembles ist, dass wir spezielle Arrangements einbauen, die in manchen Fällen daran erinnern, dass ich auch eine Filmkomponistin bin. Manchmal kann ich einfach nicht anders und muss starke, harmonische Chöre in monophone Partituren einbauen.

Warum habt ihr euch historische Themen ausgesucht?

Hauptsächlich wegen meinem Hintergrund als eine Sängerin der Alten Musik: Ich habe jahrelang in Alte-Musik-Ensembles gearbeitet, und ich musste das Repertoire neu kreieren sowie ein eigenes Ensemble, um meine Arrangements einzubauen, ohne es ewig mit dem Dirigenten bzw. Regisseur diskutieren zu müssen, in diesem Fall mit mir (lacht).

John ist seit 30 Jahren ein großer Fan von keltischer Musik. Langsam kam er mit antiker Musik in Berührung. Vor 20 Jahren fing sein Vater an, historische Instrumente zu kaufen, und das endete in einer großartigen Sammlung von Drehleiern.

Diese CD reflektiert für John einen wahrgemachten Traum und er fühlt auch die Verbindung zum Traum seines Vaters.

Orientiert ihr euch an anderen Bands? Habt ihr musikalische Vorbilder?

Maite: Es gibt mehrere Instrumental- und Vocal-Ensemble-Alben, die rund um die Uhr bei uns zu Hause laufen. Unter den Favoriten sind Jordi Savall, oder L'arpeggiata. Wir mögen die Leidenschaft und Qualität, die ihre Interpretation in die Alte Musik bringt.

Ansonsten schauen wir einfach, wer die Solisten und Dirigenten sind, um zu prüfen, ob wir das Album mögen werden. Gerade jetzt beschäftigen wir uns mit dem Komponisten Henry Purcell in verschiedenen Ensembles und mit mehreren Symphonic-Metal-Band-Alben. Es kommt immer auf unsere Stimmung an.

Welche Rolle spielen Magie und Mystik in eurer Arbeit?

Maite: Eine sehr natürliche Rolle, wir sind mehr und mehr davon überzeugt, dass alles einen Teil der Natur formt und dass es da ist, um es zu nutzen. Wir müssen nur aufwachen und es fühlen, so, wie wir es vor Jahrhunderten getan haben: die Kommunikation mit der Natur.

Die Art, die Kraft zu nutzen, liegt in unserer Verantwortlichkeit, und wir tragen die Konsequenzen. Eine unserer neoklassischen Kompositionen heißt "The Force" (die Kraft) und ist davon inspiriert. Einer unserer letzten Songs heißt "Forest Lady" (Dame des Waldes) und ist auch davon inspiriert.

Was bedeutet Mystik speziell für dich?

Maite: Etwas Natürliches, das wir vielleicht hätten mehr entwickeln sollen, anstatt es zu verlieren.

Was sind Elfen?

Maite: Ätherische, natürliche Wesen, die wir nicht mehr sehen können.

Viele Lieder auf "An Ancient Story" haben sakralen Charakter. Haben Kirche und Religion Einfluss auf eure Arbeit?

Maite: In diesem Fall wollten wir die repräsentativsten und schönsten Kompositionen speziell von den verschiedenen alten spanischen Königshöfen zusammenführen.

Das bringt religiöse Thematiken mit sich, aber auch wunderbare profane Lieder. Wir stehen nicht hinter allen Liedern, aber sie sind, wie sie sind: zu schöne antike Schätze, um ihnen keine Chance zu geben.

In der klassischen Musik wird man sehr oft mit Texten konfrontiert, die nicht mit den eigenen persönlichen Idealen konform gehen, besonders wenn man Oratorien singt. Wenn man einen bösen Charakter in der Oper darstellen muss, ist es schwierig, das auch noch glaubhaft darzustellen, wäre aber ein ähnliches Problem.

Ihr seid schon auf der RingCon in Bonn aufgetreten. Geht ihr auch als Privatgäste auf Conventions?

Maite: Jedesmal, wenn wir eine Convention besuchen, ist eine Performance involviert. so wie bei der letzten RingCon zusammen mit dem Epik-Fantasy-Bestseller-Autor Bernhard Hennen. Wir genießen wirklich alle Festivals, Conventions und Märkte, auf denen wir spielen, und wir versuchen Zeit zu finden, uns unter die Zuschauer zu mischen, die Atmosphäre zu fühlen und andere Konzerte von unseren Kollegen zu besuchen.

Wie seht ihr die Entwicklung der RingCon, weg von einer reinen Tolkien-Con mit Elfen, Zwergen und Trollen, hin zu Merchandise, Teenie-Vampiren und Piraten?

Maite: Die kommerzielle Seite dessen können wir zum Teil verstehen. Es ist manchmal nötig, bestimmte Cons dem größten aktuellen Fan-Phänomen zu öffnen. Sonst würden manche Cons kleiner werden oder verschwinden, da sie die Kosten nicht tragen könnten.

Wann und wo wird man euch demnächst live bewundern können?

Am Samstag, den 30.11., sind wir der Hauptakt auf dem Merseburger Zauberfest. Von da an konzentrieren wir uns auf die Promotion des neuen Albums "An Ancient Story". Ich werde hart im Studio arbeiten, denn wir wollen zwei große Bühnenproduktionen für nächstes Jahr abliefern. Eines wird der Musiksoundtrack des neuen Albums von Bernhard Hennen werden, den ich komponiere (wir beide werden von unserer Arbeit gegenseitig inspiriert), und die andere ist die neue Elfenthal-Bühnenproduktion, eine Konzeptshow, die Ballet mit Celtic-Rock, neoklassischer Musik, Metal und Opern-Elementen auf der Bühne mischt.

Wenn ihr auf unsere Webseite geht oder uns bei Facebook hinzufügt, bekommt ihr die neuesten Infos.

Vielen Dank, Maite, für das Interview!

Maite: Vielen Dank für eure Anfrage, von uns beiden!


Webseiten zu Elfenthal:


www.elfenthal.com

www.maiteitoizjohnkelly.com

www.myspace.com/elfenthal