Vom Eichhörnchen und Rosinenkönig - Lesungen im Nordischen Forum Drucken E-Mail
Geschrieben von: Cindy Loether   
Freitag, den 01. April 2011 um 18:06 Uhr

Nordisches Forum, Buchmesse Leipzig: Gyrdir Elíasson liest aus seinem Buch "Ein Eichhörnchen auf Wanderschaft", das von dem kleinen phantasievollen Jungen Sigmar erzählt. Dieser lebt bei seinen Verwandten Björg und Agúst im ländlichen Island, das von Langeweile und dem ewig gleichen Rhythmus geprägt ist. Eines Tages schlüpft Sigmar in die Rolle eines von ihm selbst gemalten Eichhörnchens, erkundet seine Umgebung in dessen Gestalt und zieht in eine Kellerwohnung inmitten einer von Tieren und Menschen bewohnten Stadt.

Eine sensible und ungewöhnliche Geschichte zwischen Phantasie und Wirklichkeit erzählt der isländische Autor in seinem Buch und schafft eine absurde, aber faszinierende Welt, die sehr märchenhaft verträumt, gleichzeitig grotesk wirkt. 

Neben ihm sitzt Thomas Sarbacher und liest aus der deutschen Übersetzung des Buches. Dem deutschen Schauspieler, den man u.a. aus "Tatort" kennt, merkt man seine sprachliche Ausbildung an. Fasziniert lauscht das Publikum seinen gut intoniert und betonten Worten.

Auch die schwedische Botschaft ist auf der nordischen Bühne der Buchmesse zugegen, und mit ihr der Journalist, Übersetzer und Schriftsteller  Fredrik Sjöberg, Jahrgang 1958, der seinen Roman "Der Rosinenkönig" vorstellte. Gelesen wird jedoch aus der deutschen Fassung, da die wenigsten der Anwesenden des Schwedischen mächtig sind.

In seinem Buch porträtiert Sjöberg den schwedischen Zoologen Gustav Eisen (1847-1940), ein Universalgenie selbst noch für die heutige Zeit. Eisen rettete die letzten Mammutbäume, indem er den Sequoia-Nationalpark gründete. Mit Charles Darwin kommunizierte er via Briefe über die Regenwurmerforschung. Um die halbe Welt zog der Zoologe. Der Naturforscher schrieb u.a. auch ein Standardwerk über Rosinen, die er selbst züchtete. Dieser Passion verdankt Sjöbergs Buch seinen Namen.

Sjöberg schmückt das Leben Eisens mit allerlei Anekdoten aus und schafft es dabei, den roten Faden nicht aus dem Auge zu verlieren. Kleine bizarre Ausflüge in Eigenheiten des Universalgenies machen den Roman amüsant. Er erzählt von einem Naturwissenschaftler und leidenschaftlichen Sammler, einem Sonderling, der vieles erreicht hat und trotzdem ein wenig vergessen wurde.

Während der Lesung wirkt Sjöberg seriös, typisch nordisch-stoisch, der Fels in der Brandung. Im Gegensatz zu seinem deutschen Vorleser, dem Übersetzter Paul Berf, scheint er wesentlich ernster und nicht so gelassen zu sein, dennoch fesseln seine Worte das Publikum und bringen ihm den verdienten Applaus sowie einige neue Leser ein.
"Harte Zeiten für Mister Vam" ist eine spannende und amüsante Geschichte, die die Zuhörer einen Tag später erleben. Eines Abends wacht der Vampir Mister Vam total verschlafen in seinem Sarg auf und stellt fest, dass er 250 Jahre zu lang geschlummert hat. Ein Mordshunger plagt ihn und seine Vampirzähne sind locker. Die Welt um seinen Friedhof herum hat sich vollkommen verändert, und dann wird er auch noch von einem bewaffneten Kater bedroht, der sich als Regisseur Paul Pinsky entpuppt und in Mister Vam den perfekten Darsteller für seinen neuesten Vampirfilm sieht. Mister Vam jedoch ist weder von der ungeteilten Aufmerksamkeit, die Paul ihm schenkt, noch von der Idee, Filmdarsteller zu werden, begeistert.

Geschrieben wurde das Kinderbuch von Annette Herzog, die in der Nähe von Potsdam geboren wurde und heute in Kopenhagen lebt. Sie studierte Dänisch und Englisch in Greifswald und war lange Zeit als Übersetzerin in Berlin tätig. Ihre Bücher werden in Dänisch und Deutsch herausgegeben.

Im Nordischen Forum zog die Kinderbuchautorin die Aufmerksamkeit des Publikums auf sich, erheiterte die Zuhörer und stellte fest, dass Mister Vam nicht nur etwas für junge Leser ist.